Frage des Monats August 2022

Deklaration von Kunst, Schmuck und Sammlungen: Hausrat oder steuerbares Vermögen?

Die Antwort der Merki-Experten

Grundsätzlich unterliegt das ganze Reinvermögen der Vermögenssteuer. Hiervon ausgenommen ist der Hausrat sowie persönliche Gebrauchsgegenstände.
Die Abgrenzung zwischen Hausrat und steuerbarem Vermögen ist nicht immer einfach und es bestehen kantonal Unterschiede in der Beurteilung. Zum Hausrat gehören Gegenstände, die zu Wohnzwecken dienen oder zur gewöhnlichen Einrichtung gehört. Steht der Wert des Gegenstandes im krassen Missverhältnis zu den übrigen Gegenständen, dann besteht der Verdacht, dass es sich um ein steuerbares Gut handelt. Jedoch muss ebenfalls die Zweckbestimmung des Gegenstandes, der Verwendungszweck sowie die finanziellen Verhältnisse des Steuerpflichtigen berücksichtigt werden.
Es muss allerdings der Einzelfall beurteilt werden. In einem Urteil vom Verwaltungsgericht des Kantos Zürich – aus dem Jahr 2021 – wurde entschieden, dass ein Bild mit einem Verkehrswert über CHF 150’000 die Schwelle zum steuerbaren Vermögen sicher überschritten hat, unabhängig von der Nutzung und der finanziellen Verhältnisse des Steuerpflichtigen. Somit stellt der Verkehrswert ein wichtiges Zuteilungskriterium dar. In der Praxis werden Kunstgegenstände oftmals zu einem tieferen Schätzwert deklariert, da es sich um eine Bewertungsfrage handelt. Solange die Bewertungsgrundlage vollständig ist, liegt auch keine Steuerhinterziehung vor.
Empfehlung für die Praxis
Aufgrund der Komplexität verwenden viele Kantone den Versicherungswert. Der Versicherungswert übersteigt jedoch häufig den Verkehrswert, da Transaktionskosten und Kommissionen im Rahmen einer Auktion nicht berücksichtigt werden. Des Weiteren enthalten Versicherungswerte oftmals eine Überversicherung und Wertsteigerung. Daher empfiehlt es sich, für steuerbare Kunstgegenstände, Schmuck oder Sammlungen ein Bewertungsgutachten einzuholen, um den Verkehrswert nachzuweisen, der unter dem Versicherungswert liegt.

Frage des Monats Juli 2022

Wissen Sie, was sich im neuen Erbrecht ändert?

Die Antwort der Merki-Experten

Das revidierte Erbrecht tritt am 1. Januar 2023 in Kraft. Die wichtigsten Änderungen werden nachfolgend aufgezeigt:

1. Änderungen bei den Pflichtteilen
Mit der Revision des Erbrechts wird der Pflichtteil zum Nachteil der Nachkommen und Eltern geändert:
• Anpassung Pflichtteil der Kinder von ¾ auf ½ des gesetzlichen Erbanspruchs
• Pflichtteil der Eltern wird gestrichen
• Konkubinatspartner haben nach wie vor kein gesetzliches Erb- und kein Pflichtteilsrecht.

2. Ehepaare in laufenden Scheidungsverfahren
Mit dem revidierten Erbrecht wird der Pflichtteilsschutz bereits bei einem hängigen Scheidungsverfahren aufgehoben. Somit kann neu der in Scheidung stehende Ehepartner/-in vollständig enterbt werden.

Testament sowie Ehe- und Erbverträge jetzt überprüfen
Ziel der Erbrechtsrevision ist, dass der Erblasser flexibler über sein Vermögen verfügen kann und damit weitere Personen in ihrem Umfeld zu begünstigen. Dies wirkt sich auch auf die Testamente sowie Ehe- und Erbverträge aus, die vor diesem Stichtag verfasst wurden.
Deshalb empfehlen wir frühzeitig abzuklären, ob die getroffenen Nachlassregelungen dem ursprünglichen Interesse des Erblassers entsprechen.

Frage des Monats Juni 2022

Was ändert sich mit dem überarbeiteten Aktienrecht (tritt am 1. Januar 2023 in Kraft) bei den Pflichten des Verwaltungsrates im Falle von Liquiditätsschwierigkeiten?

Die Antwort der Merki-Experten

Im überarbeiteten Aktienrecht wird der neu formulierte Art. 725 OR bereits bei Liquiditätsproblemen vom Verwaltungsrat Sanierungsüberlegungen verlangen.
Der Verwaltungsrat überwacht die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft. Droht die Gesellschaft zahlungsunfähig zu werden, so ergreift der Verwaltungsrat Massnahmen zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Er trifft, soweit erforderlich, weitere Massnahmen zur Sanierung der Gesellschaft oder beantragt der Generalversammlung solche, soweit sie in deren Zuständigkeit fallen. Er reicht nötigenfalls ein Gesuch um Nachlassstundung ein.
Im Art. 958a Abs. 2 wird bereits heute festgehalten, wie vorzugehen ist, falls eine Fortführung in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr beabsichtigt oder die Einstellung der Tätigkeit voraussichtlich nicht abwendbar ist. Die Botschaft führt hierzu aus: «Falls klare Anzeigen erkennbar sind, dass die Liquidität wahrscheinlich nicht gegeben ist, muss die Fortführbarkeit in Frage gestellt werden.» Zu beachten gilt, dass es hier um die nächsten zwölf Monate ab Bilanzstichtag geht.
Mit Blick auf die Ausführungen zu den bereits heute gültigen Art. 716a OR und Art. 958a OR ist ein Verwaltungsrat bereits in der Pflicht, die Liquiditätssituation seiner Unternehmung im Auge zu behalten. Nur dies erlaubt ein rechtzeitiges Handeln. Der zukünftige Art. 725 OR nennt diese Pflicht explizit.

Frage des Monats April und Mai 2022

Warum muss ich eine MWST-Umsatzabstimmung machen?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Umsatzabstimmung zeigt auf, ob die Finanzbuchhaltung mit der Mehrwertsteuer übereinstimmt. Um Fehlbuchungen zeitnah festzustellen, ist es empfehlenswert, die Umsatzabstimmung pro MWST-Periode zu erstellen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung kann von der steuerpflichtigen Person die Einreichung einer Umsatzabstimmung verlangen. Bei der MWST-Revision ist es empfehlenswert, diese bereit zu halten.
Gemäss Artikel 128 Abs. 2 der MWST-Verordnung muss aus der Umsatzabstimmung ersichtlich sein, wie die Deklaration für die Steuerperiode unter Berücksichtigung der verschiedenen Steuersätze bzw. der Saldo- oder Pauschalsteuersätze mit dem Jahresabschluss in Übereinstimmung gebracht wird. Namentlich zu berücksichtigen sind:
• der in der Jahresrechnung ausgewiesene Betriebsumsatz
• die Erträge, die auf Aufwandkonten verbucht wurden (Aufwandminderungen)
• die konzerninternen Verrechnungen, die nicht im Betriebsumsatz enthalten sind
• die Verkäufe von Betriebsmitteln
• die Vorauszahlungen
• die übrigen Zahlungseingänge, die nicht im ausgewiesenen Betriebsumsatz enthalten sind
• die geldwerten Leistungen
• die Erlösminderungen
• die Debitorenverluste und
• die Abschlussbuchungen wie die zeitlichen Abgrenzungen, die Rückstellungen und internen Umbuchungen, die nicht umsatzrelevant sind.

Frage des Monats März 2022

Um sicherzustellen, dass unser Einfamilienhaus in der Familie bleibt, möchte ich es meinem Sohn schenken. Hat dies einen Einfluss, falls ich später einmal auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein sollte?

Die Antwort der Merki-Experten

Personen, deren Ausgaben (minimale Lebenkosten) die Einnahmen übersteigen und deren Reinvermögen weniger als CHF 100’000 (Alleinstehende) bzw. CHF 200’000 (Ehegatten) ist, haben Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Allerdings werden zum Vermögen jene Vermögenswerte dazu gerechnet, auf die eine Person freiwillig verzichtet hat. Die Berücksichtigung des Vermögensverzichts verjährt nicht, wird allerdings pro Jahr um CHF 10’000 reduziert. Falls der Schenkungsbetrag abzüglich der oben erwähnten Reduktion pro Jahr plus Ihr Vermögen höher als CHF 100’000 sein sollte, dann haben Sie keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Sie wären dann auf Sozialhilfe angewiesen, welche vom Vermögen unabhängig ist. Der Sozialhilfe geht aber die Verwandtenunterstützungspflicht in gerader Linie (Grosseltern, Eltern, Kinder, etc.) vor. Für eine Unterstützungspflicht werden allerdings sehr gute finanzielle Verhältnisse vorausgesetzt. In den Skos-Richtlinien (Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe) finden Sie die entsprechenden Werte. Wir raten Ihnen, dass Sie die geplante Schenkung im Zuge einer Vermögens- und Nachlassplanung sorgfältig prüfen lassen.

Frage des Monats Februar 2022

Ich habe gehört, dass es seit Anfang 2021 eine Art Betreuungsurlaub gibt. Was ist das?

Die Antwort der Merki-Experten

Es gibt zwei Arten von Betreuungsurlauben:
• Seit dem 1. Januar 2021 haben Arbeitnehmende, die ein Familienmitglied oder den Lebenspartner mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung betreuen, einen zusätzlichen Urlaubsanspruch. Pro Ereignis sind maximal 3 Urlaubstage bezahlt und pro Jahr maximal 10 Urlaubstage (Art. 329g OR).
• Seit dem 1. Juli 2021 haben neu auch Eltern eines schwer erkrankten oder verunfallten Kindes Anspruch auf einen Betreuungsurlaub. Dieser Urlaub muss innert einer Rahmenfrist von 18 Monaten bezogen werden. Sind beide Eltern erwerbstätig, können maximal je 7 Wochen Betreuungsurlaub bezogen werden. Ist nur eine Person erwerbstätig, sind es maximal 14 Wochen. Die Rahmenfrist läuft ab dem Tag, an dem das erste Taggeld bezogen wird (Art. 329h OR).

Frage des Monats Januar 2022

Hat sich der Privatanteil eines Geschäftsfahrzeugs per 1. Januar 2022 geändert?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Berufskostenverordnung wurde auf den 1. Januar 2022 geändert. Dies hat zur Folge, dass
1. der Privatanteil eines Geschäftsfahrzeuges neu mit jährlich 10.8% bzw. monatlich 0.9% berechnet wird.
2. der Arbeitsweg, der den Pendlerabzug übersteigt, nicht mehr in der privaten Steuererklärung deklariert werden muss. Bisher musste der Arbeitnehmer den Arbeitsweg zu CHF 0.70 pro km berechnen und den Teil, der den maximalen Fahrkostenabzug übersteigt, als übriges Einkommen versteuern. Ab 1. Januar 2022 wird auf diese Aufrechnung des Arbeitsweges verzichtet.

Frage des Monats Dezember 2021

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Erbe wegen allfällig vorhandenen Schulden ausschlagen soll. Was soll ich tun und wie lange habe ich Zeit?

Die Antwort der Merki-Experten

Man hat drei Monate Zeit, um ein Erbe auszuschlagen. Wenn man nicht sicher ist, ob ein Erbe überschuldet ist, kann ein öffentliches Inventar verlangt werden. Dies allerdings nur innerhalb eines Monats nach Kenntnis des Todesfalles. Das öffentliche Inventar ist kostenpflichtig. Auch wenn man das Erbe ausgeschlagen hat, kann man weiterhin für die Schulden haftbar sein. Das ist der Fall, wenn man innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Tod eines Erblassers einen Erbvorbezug oder eine Schenkung erhalten hat.

Frage des Monats November 2021

Was sind die Voraussetzungen für einen Unternutzungsabzug bei Privatliegenschaften?

Die Antwort der Merki-Experten

Bei der Festsetzung des steuerbaren Eigenmietwertes werden nicht nur die ortsüblichen Verhältnisse sondern auch die tatsächliche Nutzung durch den Steuerpflichtigen berücksichtigt. Im Laufe der Zeit können sich die Wohnverhältnisse verändern. Dies kann der Fall sein, wenn die Kinder aus dem Elternhaus ausziehen oder ein Ehegatte verstirbt. Wenn eine selbstbewohnte Liegenschaft dann nicht mehr vollumfänglich genutzt wird, kann der Steuerpflichtige einen Unternutzungsabzug beantragen.
Damit ein Abzug auf Ebene der Direkten Bundessteuer gewährt wird, müssen sich die Nutzungsverhältnisse seit dem Erwerb der Liegenschaft geändert haben. Zudem darf ein Teil der Liegenschaft nicht mehr benutzt werden und muss komplett leer stehen, also auch nicht als Abstellraum oder als Gästezimmer benutzt werden. Auf kantonaler Ebene kennt nur etwa die Hälfte aller Kantone einen Unternutzungsabzug. Die Voraussetzungen für die Gewährung sind von Kanton zu Kanton verschieden.
Da es sich beim Unternutzungsabzug um eine steuermindernde Tatsache handelt, liegt die Beweislast beim Steuerpflichtigen. Er muss den Unternutzungsabzug in der Steuererklärung beantragen und darlegen können, dass der Abzug berechtigt ist.

Frage des Monats Oktober 2021

Was ist ein Register-Schuldbrief?

Die Antwort der Merki-Experten

Ein Register-Schuldbrief ist ein Schuldbrief, der nicht physisch (auf Papier) ausgestellt wird. Der Register-Schuldbrief wird im Grundbuch eingetragen. Der konstitutive Grundbucheintrag weist das Gläubigerrecht nach. Mit anderen Worten gilt derjenige als Gläubiger, der im Grundbuch als solcher eingetragen ist. Register-Schuldbriefe sind seit dem 1. Januar 2012 möglich. Praktisch alle Banken haben den Systemwechsel von Papier-Schuldbriefen auf Register-Schuldbriefe vorgenommen. Bei Neufinanzierungen werden vorwiegend Register-Schuldbriefe als Sicherheiten verlangt. Trotzdem sind in der Schweiz immer noch weit über zehn Millionen Papier-Schuldbriefe im Umlauf.
Mit dem Register-Schuldbrief lassen sich Kosten für eine sichere Aufbewahrung (z. B. Tresorkosten) sowie der Transfer und die damit verbundenen Kosten zwischen Grundbuchamt, Notariat und Banken sparen. Register-Schuldbriefe können zudem nicht verloren gehen. Damit erübrigen sich auch langwierige und teure Kraftloserklärungsverfahren mit Gerichtsgebühren und Publikationskosten.