Frage des Monats Juni 2022

Was ändert sich mit dem überarbeiteten Aktienrecht (tritt am 1. Januar 2023 in Kraft) bei den Pflichten des Verwaltungsrates im Falle von Liquiditätsschwierigkeiten?

Die Antwort der Merki-Experten

Im überarbeiteten Aktienrecht wird der neu formulierte Art. 725 OR bereits bei Liquiditätsproblemen vom Verwaltungsrat Sanierungsüberlegungen verlangen.
Der Verwaltungsrat überwacht die Zahlungsfähigkeit der Gesellschaft. Droht die Gesellschaft zahlungsunfähig zu werden, so ergreift der Verwaltungsrat Massnahmen zur Sicherstellung der Zahlungsfähigkeit. Er trifft, soweit erforderlich, weitere Massnahmen zur Sanierung der Gesellschaft oder beantragt der Generalversammlung solche, soweit sie in deren Zuständigkeit fallen. Er reicht nötigenfalls ein Gesuch um Nachlassstundung ein.
Im Art. 958a Abs. 2 wird bereits heute festgehalten, wie vorzugehen ist, falls eine Fortführung in den nächsten zwölf Monaten nicht mehr beabsichtigt oder die Einstellung der Tätigkeit voraussichtlich nicht abwendbar ist. Die Botschaft führt hierzu aus: «Falls klare Anzeigen erkennbar sind, dass die Liquidität wahrscheinlich nicht gegeben ist, muss die Fortführbarkeit in Frage gestellt werden.» Zu beachten gilt, dass es hier um die nächsten zwölf Monate ab Bilanzstichtag geht.
Mit Blick auf die Ausführungen zu den bereits heute gültigen Art. 716a OR und Art. 958a OR ist ein Verwaltungsrat bereits in der Pflicht, die Liquiditätssituation seiner Unternehmung im Auge zu behalten. Nur dies erlaubt ein rechtzeitiges Handeln. Der zukünftige Art. 725 OR nennt diese Pflicht explizit.

Frage des Monats April und Mai 2022

Warum muss ich eine MWST-Umsatzabstimmung machen?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Umsatzabstimmung zeigt auf, ob die Finanzbuchhaltung mit der Mehrwertsteuer übereinstimmt. Um Fehlbuchungen zeitnah festzustellen, ist es empfehlenswert, die Umsatzabstimmung pro MWST-Periode zu erstellen. Die Eidgenössische Steuerverwaltung kann von der steuerpflichtigen Person die Einreichung einer Umsatzabstimmung verlangen. Bei der MWST-Revision ist es empfehlenswert, diese bereit zu halten.
Gemäss Artikel 128 Abs. 2 der MWST-Verordnung muss aus der Umsatzabstimmung ersichtlich sein, wie die Deklaration für die Steuerperiode unter Berücksichtigung der verschiedenen Steuersätze bzw. der Saldo- oder Pauschalsteuersätze mit dem Jahresabschluss in Übereinstimmung gebracht wird. Namentlich zu berücksichtigen sind:
• der in der Jahresrechnung ausgewiesene Betriebsumsatz
• die Erträge, die auf Aufwandkonten verbucht wurden (Aufwandminderungen)
• die konzerninternen Verrechnungen, die nicht im Betriebsumsatz enthalten sind
• die Verkäufe von Betriebsmitteln
• die Vorauszahlungen
• die übrigen Zahlungseingänge, die nicht im ausgewiesenen Betriebsumsatz enthalten sind
• die geldwerten Leistungen
• die Erlösminderungen
• die Debitorenverluste und
• die Abschlussbuchungen wie die zeitlichen Abgrenzungen, die Rückstellungen und internen Umbuchungen, die nicht umsatzrelevant sind.

Frage des Monats März 2022

Um sicherzustellen, dass unser Einfamilienhaus in der Familie bleibt, möchte ich es meinem Sohn schenken. Hat dies einen Einfluss, falls ich später einmal auf Ergänzungsleistungen angewiesen sein sollte?

Die Antwort der Merki-Experten

Personen, deren Ausgaben (minimale Lebenkosten) die Einnahmen übersteigen und deren Reinvermögen weniger als CHF 100’000 (Alleinstehende) bzw. CHF 200’000 (Ehegatten) ist, haben Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Allerdings werden zum Vermögen jene Vermögenswerte dazu gerechnet, auf die eine Person freiwillig verzichtet hat. Die Berücksichtigung des Vermögensverzichts verjährt nicht, wird allerdings pro Jahr um CHF 10’000 reduziert. Falls der Schenkungsbetrag abzüglich der oben erwähnten Reduktion pro Jahr plus Ihr Vermögen höher als CHF 100’000 sein sollte, dann haben Sie keinen Anspruch auf Ergänzungsleistungen. Sie wären dann auf Sozialhilfe angewiesen, welche vom Vermögen unabhängig ist. Der Sozialhilfe geht aber die Verwandtenunterstützungspflicht in gerader Linie (Grosseltern, Eltern, Kinder, etc.) vor. Für eine Unterstützungspflicht werden allerdings sehr gute finanzielle Verhältnisse vorausgesetzt. In den Skos-Richtlinien (Richtlinien der Schweizerischen Konferenz für Sozialhilfe) finden Sie die entsprechenden Werte. Wir raten Ihnen, dass Sie die geplante Schenkung im Zuge einer Vermögens- und Nachlassplanung sorgfältig prüfen lassen.

Frage des Monats Februar 2022

Ich habe gehört, dass es seit Anfang 2021 eine Art Betreuungsurlaub gibt. Was ist das?

Die Antwort der Merki-Experten

Es gibt zwei Arten von Betreuungsurlauben:
• Seit dem 1. Januar 2021 haben Arbeitnehmende, die ein Familienmitglied oder den Lebenspartner mit einer gesundheitlichen Beeinträchtigung betreuen, einen zusätzlichen Urlaubsanspruch. Pro Ereignis sind maximal 3 Urlaubstage bezahlt und pro Jahr maximal 10 Urlaubstage (Art. 329g OR).
• Seit dem 1. Juli 2021 haben neu auch Eltern eines schwer erkrankten oder verunfallten Kindes Anspruch auf einen Betreuungsurlaub. Dieser Urlaub muss innert einer Rahmenfrist von 18 Monaten bezogen werden. Sind beide Eltern erwerbstätig, können maximal je 7 Wochen Betreuungsurlaub bezogen werden. Ist nur eine Person erwerbstätig, sind es maximal 14 Wochen. Die Rahmenfrist läuft ab dem Tag, an dem das erste Taggeld bezogen wird (Art. 329h OR).

Frage des Monats Januar 2022

Hat sich der Privatanteil eines Geschäftsfahrzeugs per 1. Januar 2022 geändert?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Berufskostenverordnung wurde auf den 1. Januar 2022 geändert. Dies hat zur Folge, dass
1. der Privatanteil eines Geschäftsfahrzeuges neu mit jährlich 10.8% bzw. monatlich 0.9% berechnet wird.
2. der Arbeitsweg, der den Pendlerabzug übersteigt, nicht mehr in der privaten Steuererklärung deklariert werden muss. Bisher musste der Arbeitnehmer den Arbeitsweg zu CHF 0.70 pro km berechnen und den Teil, der den maximalen Fahrkostenabzug übersteigt, als übriges Einkommen versteuern. Ab 1. Januar 2022 wird auf diese Aufrechnung des Arbeitsweges verzichtet.

Frage des Monats Dezember 2021

Ich bin mir nicht sicher, ob ich ein Erbe wegen allfällig vorhandenen Schulden ausschlagen soll. Was soll ich tun und wie lange habe ich Zeit?

Die Antwort der Merki-Experten

Man hat drei Monate Zeit, um ein Erbe auszuschlagen. Wenn man nicht sicher ist, ob ein Erbe überschuldet ist, kann ein öffentliches Inventar verlangt werden. Dies allerdings nur innerhalb eines Monats nach Kenntnis des Todesfalles. Das öffentliche Inventar ist kostenpflichtig. Auch wenn man das Erbe ausgeschlagen hat, kann man weiterhin für die Schulden haftbar sein. Das ist der Fall, wenn man innerhalb der letzten fünf Jahre vor dem Tod eines Erblassers einen Erbvorbezug oder eine Schenkung erhalten hat.

Frage des Monats November 2021

Was sind die Voraussetzungen für einen Unternutzungsabzug bei Privatliegenschaften?

Die Antwort der Merki-Experten

Bei der Festsetzung des steuerbaren Eigenmietwertes werden nicht nur die ortsüblichen Verhältnisse sondern auch die tatsächliche Nutzung durch den Steuerpflichtigen berücksichtigt. Im Laufe der Zeit können sich die Wohnverhältnisse verändern. Dies kann der Fall sein, wenn die Kinder aus dem Elternhaus ausziehen oder ein Ehegatte verstirbt. Wenn eine selbstbewohnte Liegenschaft dann nicht mehr vollumfänglich genutzt wird, kann der Steuerpflichtige einen Unternutzungsabzug beantragen.
Damit ein Abzug auf Ebene der Direkten Bundessteuer gewährt wird, müssen sich die Nutzungsverhältnisse seit dem Erwerb der Liegenschaft geändert haben. Zudem darf ein Teil der Liegenschaft nicht mehr benutzt werden und muss komplett leer stehen, also auch nicht als Abstellraum oder als Gästezimmer benutzt werden. Auf kantonaler Ebene kennt nur etwa die Hälfte aller Kantone einen Unternutzungsabzug. Die Voraussetzungen für die Gewährung sind von Kanton zu Kanton verschieden.
Da es sich beim Unternutzungsabzug um eine steuermindernde Tatsache handelt, liegt die Beweislast beim Steuerpflichtigen. Er muss den Unternutzungsabzug in der Steuererklärung beantragen und darlegen können, dass der Abzug berechtigt ist.

Frage des Monats Oktober 2021

Was ist ein Register-Schuldbrief?

Die Antwort der Merki-Experten

Ein Register-Schuldbrief ist ein Schuldbrief, der nicht physisch (auf Papier) ausgestellt wird. Der Register-Schuldbrief wird im Grundbuch eingetragen. Der konstitutive Grundbucheintrag weist das Gläubigerrecht nach. Mit anderen Worten gilt derjenige als Gläubiger, der im Grundbuch als solcher eingetragen ist. Register-Schuldbriefe sind seit dem 1. Januar 2012 möglich. Praktisch alle Banken haben den Systemwechsel von Papier-Schuldbriefen auf Register-Schuldbriefe vorgenommen. Bei Neufinanzierungen werden vorwiegend Register-Schuldbriefe als Sicherheiten verlangt. Trotzdem sind in der Schweiz immer noch weit über zehn Millionen Papier-Schuldbriefe im Umlauf.
Mit dem Register-Schuldbrief lassen sich Kosten für eine sichere Aufbewahrung (z. B. Tresorkosten) sowie der Transfer und die damit verbundenen Kosten zwischen Grundbuchamt, Notariat und Banken sparen. Register-Schuldbriefe können zudem nicht verloren gehen. Damit erübrigen sich auch langwierige und teure Kraftloserklärungsverfahren mit Gerichtsgebühren und Publikationskosten.

Frage des Monats September 2021

Stimmt es, dass die Pflichtteile im Rahmen der Revision des Erbrechts kleiner werden? Ab wann treten die neuen Bestimmungen in Kraft?

Die Antwort der Merki-Experten

Es ist richtig, dass die Pflichtteile im Rahmen der Revision des Erbrechtes reduziert werden. Dabei fällt der Pflichtteil der Eltern weg und der Pflichtteil der Nachkommen wird von ¾ des gesetzlichen Erbanteils auf ½ reduziert. Dies bedeutet, dass bei Ehepaaren mit Nachkommen dem überlebenden Ehegatten neu ¾ des Erbanteils zugewendet werden kann. Bei Ehepaaren und Konkubinatspaaren ohne Nachkommen kann der überlebenden Person neu der gesamte Nachlass zugewendet werden.
Die Revision des Erbrechts tritt voraussichtlich anfangs 2023 in Kraft. Vor diesem Zeitpunkt sollten sie Ihren Erbvertrag / Ihr Testament überprüfen. In diesen Dokumenten sind Formulierungen zu finden, welche die Erben auf den Pflichtteil setzen und gleichzeitig die Höhe des Pflichtteils, der zum Zeitpunkt der Erstellung des Dokumentes gültig war, angeben. Dies kann nach Inkrafttreten des revidierten Erbrechts zu Problemen bei der Auslegung führen, da der Wille des Erblassers nicht klar ist. Wollte man die Erbanteile auf das maximale Minimum setzen oder mit Hilfe der Zahlen eine Erbquote zuweisen? Überprüfen Sie, ob der Inhalt Ihrer Dokumente noch Ihrem Willen entspricht oder ob er angepasst werden muss.

Frage des Monats August 2021

Aufgrund der COVID-19-Massnahmen arbeite ich schon über ein Jahr im Homeoffice. Welche Abzüge kann ich bei der Steuererklärung machen? Wie wird eine Entschädigung des Arbeitgebers behandelt?

Die Antwort der Merki-Experten

Ein Abzug für Homeoffice wird nur gewährt, wenn regelmässig ein wesentlicher Teil der beruflichen Arbeit zu Hause erledigt wird. Zudem muss in der Privatwohnung ein separater Raum vorhanden sein, welcher hauptsächlich beruflichen und nicht privaten Zwecken dient.
Für die Berechnung des Mietanteils eines Arbeitszimmers wird die (Eigen-)Miete verhältnismässig aufgeteilt. Dazu rechnet man die (Eigen-)Miete geteilt durch die Zimmerzahl plus zwei (für Küche und Bad). Für die Nebenkosten eines Arbeitszimmers (Heizung, Reinigung, Beleuchtung) können zusätzlich CHF 30/m2/Jahr abgezogen werden.
Wenn das private Arbeitszimmer nicht ausschliesslich für geschäftliche Zwecke genutzt wird, das Homeoffice nicht das ganze Jahr andauerte oder der Anteil Homeoffice am Arbeitspensum nicht 100% beträgt, wird der Abzug verhältnismässig gekürzt.
Wenn der berechnete Abzug für das Homeoffice mit allfällig weiteren übrigen Berufskosten den Pauschalabzug übersteigt, kommen die effektiven Kosten anstelle des Pauschalabzugs zum Tragen. Eine Kumulation von effektiven Kosten mit dem Pauschalabzug ist nicht möglich.
Entschädigungen des Arbeitgebers für die Nutzung privater Arbeitszimmer oder Lagerräume (inklusive weiterer Kosten wie Mobiliar, Infrastruktur, Internetzugang u.a.) sind stets zum Bruttolohn zu addieren und stellen keine Spesen dar.
Es ist zu beachten, dass die Berufskosten (Fahrtkosten zwischen Wohn- und Arbeitsstätte, Mehrkosten der Verpflegung und Pauschalabzug für übrige Berufskosten) so geltend gemacht werden können, wie sie ohne Massnahmen zur Bekämpfung der COVID-19-Pandemie angefallen wären. Insbesondere werden diese Berufskosten nicht um die COVID-19-bedingten Homeoffice-Tage gekürzt. Diese Handhabung schliesst im Gegenzug einen Abzug für Homeoffice-Kosten aus.
Die nachgewiesenen Kinderbetreuungskosten bleiben abzugsfähig, sofern diese tatsächlich entstanden und nachgewiesen sind.
Genehmigte Spesenreglemente behalten grundsätzlich ihre Gültigkeit, solange es sich nur um kurzfristige Schwankungen handelt. Bei Kurzarbeit sind die Pauschalspesen ab einem Zeitraum von über 3 Monaten nicht mehr gerechtfertigt und müssen reduziert werden.