Frage des Monats September 2020

Was ist eine Auffanggesellschaft?

Die Antwort der Merki-Experten

Eine Auffanggesellschaft ist eine neu gegründete Gesellschaft, die von einem sanierungsbedürftigen Unternehmen Betriebsteile oder den ganzen Betrieb und teilweise auch einzelne Schulden übernimmt. Sie dient in der Regel der Rettung des Geschäftsbetriebs eines vor dem Konkurs stehenden Unternehmens. Die Auffanggesellschaft führt den Geschäftsbetrieb unbelastet von den bestehenden Verbindlichkeiten fort.

In der Praxis ist der Begriff der Auffanggesellschaft negativ besetzt. Gläubiger können den Einsatz einer solchen Gesellschaft als „Schulden abschütteln“ empfinden. Die Übertragung von Aktiven ist eine Gratwanderung, denn sie birgt in verschiedener Hinsicht die Gefahr der Schädigung der Interessen von Gläubigern und Aktionären. Deshalb muss genau beurteilt werden, zu welchen Bedingungen und Werten die Aktiven überführt werden.

Dem Verwaltungsrat können Verantwortlichkeitsklagen wegen Verletzungen der Sorgfaltspflicht oder gar strafrechtliche Konsequenzen (vgl. Art. 163 und 164 StGB) drohen. Ansprüche aus Verantwortlichkeitsklagen verringern zwar nicht die Substanz, schaden aber unter Umständen dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit. Weiter können Gläubiger bei nicht verhältnismässiger Gegenleistung mit sogenannten paulianischen Anfechtungsklagen (vgl. Art. 285 ff SchKG) gegen die neue Gesellschaft vorgehen. Solche Klagen können der neuen Gesellschaft ausgesprochen gefährlich werden, da – wenn der Kläger Recht bekommt – der Auffanggesellschaft Teile der eingebrachten Substanz wiederum entzogen werden.

Zudem muss unbedingt beachtet werden, dass die Gründung einer Auffanggesellschaft eine kostspielige und aufwändige Massnahme ist.

Für eine Auffanggesellschaft sprechen die Erhaltung der Arbeitsplätze, die Verhinderung der Vermögenszerschlagung und meistens eine Besserstellung aller Beteiligten im Vergleich zur Liquidation im Konkursverfahren.

Frage des Monats August 2020

Ich arbeite seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Homeoffice. Muss mir mein Arbeitgeber eine Entschädigung für die Nutzung meiner privaten Infrastruktur bezahlen?

Die Antwort der Merki-Experten

Nach dem jetzigen Stand der Rechtsprechung ist die zentrale Frage, ob dem Arbeitnehmenden in den Büroräumlichkeiten des Arbeitgebers ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Falls nicht, so liegt die Nutzung der privaten Infrastruktur im Interesse des Arbeitgebers und er muss sich an den Kosten beteiligen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie arbeiten viele Arbeitnehmende im Homeoffice, obwohl ihnen ein Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung steht. Die Weisung im Homeoffice zu arbeiten, beruhte auf einer Empfehlung des Bundesrates. Es empfiehlt sich dennoch, das Arbeiten im Homeoffice detailliert zu regeln und Entschädigungen für die Benutzung des privaten Zimmers als Büro für die Arbeitstätigkeit oder z. B. für die Kosten von Papier, Telefonaten, Druckerpatronen etc. zu regeln.

Frage des Monats Juli 2020

Die Änderungen im Gleichstellungsrecht sind per 1. Juli 2020 in Kraft getreten. Was bedeutet dies für mein Unternehmen?

Die Antwort der Merki-Experten

Unternehmen mit 100 oder mehr Vollzeitstellen (ohne Lernende) sind zur Durchführung einer Lohngleichheitsanalyse verpflichtet. Die erste betriebsinterne Analyse muss nach einer wissenschaftlichen und rechtskonformen Methode und bis spätestens Ende Juni 2021 durchgeführt werden. Der Bund stellt allen Arbeitgebenden ein kostenloses Standard-Analyse-Tool (Logib) zur Verfügung. Wird die Lohngleichheitsanalyse mit einem anderen Tool als Logib durchgeführt, müssen die Unternehmen einen Nachweis über die Wissenschaftlichkeit und Rechtskonformität der verwendeten Analysemethode beilegen.

Die Lohngleichheitsanalyse ist von einer unabhängigen Stelle überprüfen zu lassen. Die Überprüfung darf u.a. von Prüfungsgesellschaften mit einer Zulassung nach dem Revisionsaufsichtsgesetz vorgenommen werden. Auch die im Handelsregister eingetragene Revisionsstelle darf diese Prüfung durchführen. Diese erfolgt jedoch als separater Auftrag ausserhalb des Revisionsstellenmandats.

Die Arbeitnehmenden sowie bei börsenkotierten Unternehmen die Aktionärinnen und Aktionäre müssen über das Ergebnis der Analyse informiert werden. Öffentlich-rechtliche Arbeitgebende sind zusätzlich verpflichtet, die Ergebnisse der Lohngleichheitsanalyse und der Überprüfung zu veröffentlichen.

Frage des Monats Juni 2020

Ab welchem Betrag muss ich meinen Nebenerwerb in der Steuererklärung deklarieren?

Die Antwort der Merki-Experten

Einkommen aus Nebenerwerben wie z. B. Praktika oder gelegentlicher Stundenverdienst (Haushaltshilfe, Raumpflege, Babysitting, Gartenarbeiten, etc.) sind zu versteuern. Dabei spielt es keine Rolle wie hoch dieses Einkommen ist.

Der Bund und die meisten Kantone sehen für Nebeneinkünfte einen pauschalisierten Berufsunkostenabzug von 20% der Nettoeinkünfte (min. CHF 800, max. CHF 2‘400 pro Jahr) vor. Dies führt dazu, dass Einkünfte bis zu CHF 800 nicht versteuert werden müssen. Trotzdem müssen sie deklariert werden.

Achtung: Bei der AHV gilt für Nebenerwerbe eine jährliche Freigrenze von CHF 2‘300. Der Arbeitnehmende kann allerdings die Abrechnung mit der AHV verlangen.

Frage des Monats Mai 2020

Muss ich Geschenke von meinem Arbeitgeber in der Steuererklärung als Einkommen deklarieren bzw. müssen diese auf dem Lohnausweis aufgeführt werden?

Die Antwort der Merki-Experten

Geschenke in Form von Geld sind steuerbares Einkommen und müssen somit auch auf dem Lohnausweis aufgeführt werden.

Naturalgeschenke für ein besonderes Ereignis wie z. B. Geburtstags- oder Weihnachtsgeschenke sowie Dienstaltersgeschenke sind bis zu einem Wert von CHF 500 pro Ereignis steuerfrei. Falls diese Geschenke mehr als CHF 500 kosten, muss der gesamte Betrag versteuert werden.

Gutscheine und Reka-Checks gelten als Naturalgeschenke und sind bis zu einem Betrag von CHF 500 steuerfrei.

Zusätzliche Ferientage stellen kein Einkommen aus Sicht der Steuerbehörden dar und müssen deshalb nicht versteuert werden.

Frage des Monats April 2020

Aufgrund der COVID-19-Verordnung ist die Durchführung einer Generalversammlung mit physischer Präsenz nicht mehr möglich. Ist die Durchführung einer virtuellen Generalversammlung erlaubt?

Die Antwort der Merki-Experten

Der Bundesrat erlaubt die Durchführung von virtuellen Generalversammlungen (Art. 6a COVID-19-Verordnung 2). Die Unternehmen können verfügen, dass die Teilnehmenden ihre Rechte ohne Präsenz ausüben. Dies kann entweder auf schriftlichem Weg oder in elektronischer Form oder durch einen vom Veranstalter bezeichneten unabhängigen Stimmrechtsvertreter geschehen.

Allerdings gibt es noch offene Fragen wie zum Beispiel: Ist eine E-Mail ausreichend oder was passiert mit den anderen Aktionärsrechten? Diese Fragen müssen nun zeitnah geklärt werden.

Frage des Monats März 2020

Sind Inhaberaktien noch erlaubt?

Die Antwort der Merki-Experten

Inhaberaktien sind seit dem 1. November 2019 nur noch zulässig, wenn die Gesellschaft Beteiligungspapiere an einer Börse kotiert hat oder wenn die Inhaberaktien als Bucheffekten ausgestaltet sind.

Die bestehenden Inhaberaktien werden innert einer Frist von 18 Monaten – also am 1. Mai 2021 – automatisch in Namenaktien umgewandelt. Dadurch wird eine Anpassung der Statuten notwendig. Bis diese Anpassung vorgenommen wurde, trägt das Handelsregisteramt eine Bemerkung ein, dass die Belege vom Eintrag abweichende Angaben enthalten. Zudem weist das Handelsregisteramt jede Anmeldung zur Eintragung einer anderen Statutenänderung zurück, so lange die Anpassung im Zusammenhang mit den Aktien nicht vorgenommen wurde.

Wichtig ist, dass über die Namenaktien ein Aktienbuch zu führen ist. In diesem sind die Eigentümer und Nutzniesser mit Namen und Adresse einzutragen. Als Aktionär gilt nur, wer im Aktienbuch eingetragen ist. Die Eintragung ist somit wichtig, weil vor dieser keine Dividendenzahlungen, Zuteilung von Bezugsrechten, etc. erfolgen dürfen.

Seit 1. Juli 2015 ist die Aktiengesellschaft verpflichtet, ein Verzeichnis über die Inhaberaktionäre sowie über die der Gesellschaft gemeldeten wirtschaftlich berechtigten Personen zu führen. Nach der Umwandlung von Inhaberaktien in Namenaktien trägt die Gesellschaft basierend auf diesem Verzeichnis die Aktionäre ins Aktienbuch ein. Aktionäre, die dieser Meldepflicht nicht nachgekommen sind, können innert 5 Jahren nach Inkrafttreten des neuen Rechts beim Gericht ihre Eintragung in das Aktienbuch der Gesellschaft beantragen. Dazu braucht es auch die vorgängige Zustimmung der Gesellschaft. Aktien von Aktionären, die diese Frist verpassen, werden von Gesetzes wegen für nichtig erklärt.

Frage des Monats Februar 2020

Briefkastendomizil: Steuerliche Chance oder Risiko?

Die Antwort der Merki-Experten

Unternehmen könnten nach der Einführung des neuen Bundesgesetzes über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) per 1. Januar 2020 geneigt sein, ihren Sitz in einen steuergünstigen Kanton zu verlegen, indem sie dort ein Briefkastendomizil gründen. Aber Achtung: Briefkastendomizile werden steuerlich nicht anerkannt.

Das Hauptsteuerdomizil einer juristischen Person ist dort, wo die Gesellschaft ihren tatsächlichen und wirtschaftlichen Mittelpunkt hat und wo die Geschäftsführung im Rahmen des Gesellschaftszwecks ausgeübt wird. Der statutarische Sitz ist also nicht massgebend, falls er nur formeller Natur ist.

Es besteht das Risiko, dass Steuern doppelt bezahlt werden müssen. Nämlich dann, wenn sich eine Gesellschaft am statutarischen Sitz veranlagen lässt, obwohl der wirtschaftliche Sitz in einem anderen Kanton ist. Fordert der Kanton am wirtschaftlichen Sitz des Unternehmens nachträglich die Gewinn- und Kapitalsteuern auch ein, hat eine solche Gesellschaft keinen Rechtsschutz. Sie kann sich nicht auf das Verbot der interkantonalen Doppelbesteuerung berufen.

Frage des Monats Januar 2020

Wie hoch ist der AHV-Lohnbeitrag ab 1. Januar 2020 und warum steigt er?

Die Antwort der Merki-Experten

Der AHV-Lohnbeitrag steigt von 8.4% auf 8.7%. Somit erhöht sich der AHV/IV/EO-Beitragssatz von 10.25% auf 10.55%. Arbeitgebende und Arbeitnehmende teilen sich die Beiträge an die 1. Säule weiterhin hälftig.

Am 19. Mai 2019 nahmen die Schweizer Stimmberechtigten das Bundesgesetz über die Steuerreform und die AHV-Finanzierung (STAF) an. Dieses Gesetz setzt sich aus zwei Teilbereichen zusammen:

  • Reform der Unternehmenssteuer
  • Ausgleichende Zusatzfinanzierung der AHV

Mit der Annahme der STAF erhielt der Bundesrat den Auftrag, den AHV-Lohnbeitrag um 0.3 Prozentpunkte anzuheben. Dies verschafft der AHV jährlich über CHF 2 Milliarden an zusätzlichen Einnahmen und leistet einen wichtigen Beitrag zur Sicherung der Renten.

Frage der Woche 52/2019

Sind Weihnachtsgeschenke steuerbar?

Die Antwort der Merki-Experten

Geschenke, welche die steuerpflichtige Person vom anderen Eheteil oder von den Eltern, Grosseltern, Urgrosseltern oder den eigenen Kindern erhalten, sind steuerfrei.

Anders verhält es sich, wenn z. B. der Götti seinem Göttikind einen Herzenswunsch erfüllt. Im Kanton Aargau müssen Geschenke nicht deklariert werden, die bei einer Gelegenheit wie Geburtstag, Weihnachten, Hochzeit, Prüfungserfolg oder Taufe ausgerichtet werden und den Wert von jeweils Fr. 2’000 nicht übersteigen (Gelegenheitsgeschenke).

Zu beachten ist, dass Schenkungen nicht der Einkommens-, sondern der Schenkungssteuer unterliegen.