Frage des Monats April 2021

Treten im Jahr 2021 noch andere Gesetze im Zusammenhang mit «Betreuungsferien» in Kraft. Welche sind das?

Die Antwort der Merki-Experten

Im Jahr 2021 tritt das Bundesgesetz über die Verbesserung der Vereinbarung von Erwerbstätigkeit und Angehörigenbetreuung in Kraft.
Ab 1. Januar 2021 haben Arbeitnehmende Anspruch auf einen bezahlten Urlaub, damit sie kranke oder verunfallte Familienmitglieder oder Lebenspartner/innen betreuen können. Der Urlaub beträgt max. 3 Tage pro Fall und max. 10 Tage pro Jahr. Die Kosten für diese Urlaubstage muss der Arbeitgeber tragen.
Ab 1. Juli 2021 wird erwerbstätigen Eltern ein 14-wöchiger Urlaub für die Betreuung eines schwer kranken oder verunfallten Kindes gewährt. Dieser Urlaub kann innerhalb von 18 Monaten – entweder tageweise oder am Stück – bezogen werden. Die Entschädigung erfolgt über die Erwerbsersatzordnung (EO).

Frage des Monats März 2021

Wie ist der Vaterschaftsurlaub ab 1. Januar 2021 geregelt?

Die Antwort der Merki-Experten

Erwerbstätige Väter haben Anspruch auf einen zweiwöchigen Vaterschaftsurlaub (10 freie Arbeitstage). Dieser Urlaub muss innerhalb von sechs Monaten nach Geburt des Kindes bezogen werden. Der Urlaub kann tage- oder wochenweise bezogen werden. Der Arbeitgeber hat kein Recht im Gegenzug die Ferien zu kürzen.

Der Vaterschaftsurlaub wird nach den gleichen Grundsätzen wie der Mutterschaftsurlaub entschädigt. Eine Entschädigung erhalten Väter, die zum Zeitpunkt der Geburt des Kindes als Arbeitnehmer oder Selbständigerwerbender erwerbstätig waren. Weitere Voraussetzungen sind, dass der Vater in den 9 Monaten vor der Geburt in der AHV obligatorisch versichert und in dieser Zeit mind. 5 Monate erwerbstätig gewesen ist.

Die Entschädigung während des Vaterschaftsurlaubs beträgt 80% des durchschnittlichen Erwerbseinkommens vor der Geburt des Kindes, höchstens aber CHF 196 pro Tag. Für zwei Wochen Urlaub werden 14 Taggelder ausbezahlt, also ein Maximalbetrag von CHF 2’744.

Frage des Monats Februar 2021

Ab 21. März 2020 mussten keine Verzugszinsen bei der MWST und direkten Steuern bezahlt werden. Gilt dies im 2021 immer noch?

Die Antwort der Merki-Experten

Nein. Der Verzicht auf Verzugszinsen bei verspäteter Zahlung von Steuern, Lenkungs- und Zollabgaben war befristet bis 31. Dezember 2020.

Ab 1. Januar 2021 gelten wieder die jährlichen Verzugszinse von 4% bei der MWST und 3% bei der Direkten Bundessteuer.

Frage des Monats Januar 2021

Ich möchte ein Eigenheim kaufen und möchte neben meinen Eigenmitteln noch Geld aus der Pensionskasse oder der 3. Säule beziehen. Was ist besser?

Die Antwort der Merki-Experten

Es kann nicht grundsätzlich gesagt werden, ob ein Bezug aus der Pensionskasse oder ein Bezug aus der Säule 3a besser ist. Es können auch Gelder aus der zweiten und dritten Säule bezogen werden. Es kommt auf den persönlichen Standpunkt drauf an. Hier eine Übersicht der wichtigsten Punkte:

 PensionskasseSäule 3a
Grund für VorbezugFinanzierung selbstgenutztes WohneigentumFinanzierung selbstgenutztes Wohneigentum oder Amortisation der Hypotheken
Beschränkung der BezugshöheBis zu 10% des Belehnungswertes können bezogen werden.keine
Wiedereinbringung VorbezugVorbezug kann wieder eingebracht werden. Die bezahlten Steuern können zurückgefordert werden.Einmal bezogene Gelder aus der Säule 3a können nicht wieder eingebracht werden. Es kann jährlich nur der limitierte Höchstbetrag einbezahlt werden. Die bezahlten Kapitalbezugs-steuern sind definitiv.
Freiwillige EinkäufeFreiwillige Einkäufe können erst wieder getätigt werden, wenn der Vorbezug zurückbezahlt ist.nicht möglich
VorsorgeschutzVor Bezug aus der Pensionskasse sollte der Vorsorgeschutz überprüft werden. Es kann sein, dass die Leistungen für die Risiken Tod und Invalidität durch den Bezug reduziert werden. Allenfalls macht es dann Sinn, eine Zusatzdeckung abzuschliessen.Kein Vorsorgeschutz
VeräusserungsbeschränkungVeräusserungsbeschränkung wird im Grundbuch eingetragen. Die Immobilie kann erst dann wieder verkauft werden, wenn der Vorbezug zurückbezahlt ist.Keine Veräusserungsbeschränkung. Geld muss nicht zurückbezahlt werden (und ist nicht möglich).

Frage des Monats Dezember 2020

Ich habe einen Corona-Test gemacht und habe in Quarantäne zwei Tage auf das Testergebnis gewartet. Muss ich dafür Überzeit oder Ferien beziehen?

Die Antwort der Merki-Experten

Nein. Falls Sie vom Arbeitgeber zum Test geschickt wurden, weil z. B. ein Mitarbeitender positiv auf Corona getestet wurde, muss der Arbeitgeber den Lohn normal weiterzahlen. Zudem müssen Sie keine Überstunden oder Frei- bzw. Ferientage beziehen.

Falls Sie eine Quarantäneverfügung vom Kantonsarzt erhalten haben, haben Sie Anspruch auf Erwerbsersatzentschädigung.

Frage des Monats November 2020

Nach den vom Bundesrat am 28. Oktober 2020 beschlossenen Massnahmen werden einige Betriebe wieder in Kurzarbeit gehen müssen oder bleiben. Welche Formulare sind für die Anmeldung der Kurzarbeit und Abrechnung der Kurzarbeitsentschädigung anzuwenden?

Die Antwort der Merki-Experten

Der Bundesrat hat am 28. Oktober 2020 entschieden, das vereinfachte Verfahren für die Voranmeldung von Kurzarbeit sowie das summarische Verfahren für die Abrechnung der Kurzarbeitsentschädigung bis Ende Dezember 2020 beizubehalten. Dementsprechend sind bis Ende Jahr 2020 zur Abwicklung der Kurzarbeitsentschädigung ausschliesslich die COVID-19-Formulare zu verwenden, unabhängig von der Begründung der Kurzarbeit. Bereits am 1. Juli 2020 wurde die Höchstbezugsdauer von Kurzarbeitsentschädigung von 12 Monaten auf 18 Monaten verlängert.

Frage des Monats Oktober 2020

Der Bundesrat hat an seiner Sitzung vom 11.09.2020 entschieden, die COVID-19 Verordnung Erwerbsausfall zu verlängern. Was bedeutet das?

Die Antwort der Merki-Experten

Personen, die an der Ausübung der Erwerbstätigkeit verhindert sind, können nach dem 16. September 2020 weiterhin Corona-Erwerbsersatz beziehen, wenn eine der folgenden Situationen auf sie zutrifft:

  • Eltern, die ihre Erwerbstätigkeit unterbrechen müssen, weil die Kinderbetreuung nicht mehr gewährleistet ist (behördlich angeordnete Betriebsschliessung von Schule, Kindergarten oder Sondereinrichtung sowie Quarantäne)
  • Behördlich angeordnete Quarantäne (Quarantäne angeordnet von Kantonsarzt oder einer anderen Behörde). Aber Achtung: Bei Quarantäne nach Rückkehr aus einer Region, die bereits bei Abreise auf der Liste der Staaten und Gebiete mit erhöhtem Ansteckungsrisiko aufgeführt war, wird kein Erwerbsersatz bezahlt.
  • Selbstständigerwerbende bei Betriebsschliessung
    Selbstständigerwerbende, deren Tätigkeit auf Anordnung der Behörden eingestellt oder massgeblich eingeschränkt wird.
  • Angeordnetes Veranstaltungsverbot (Selbstständigerwerbende, die für diese Veranstaltung eine Leistung erbracht hätten, haben Anspruch auf Corona-Erwerbsersatz.)

Das Gesetz wird im Moment vom Parlament beraten und voraussichtlich Ende September 2020 in Kraft treten. Falls das Parlament zustimmt, können die Leistungen für die erwähnten Gruppen rückwirkend per 17. September 2020 beansprucht werden. Wichtig ist, dass für diese Leistungen ein neuer Antrag bei der Ausgleichskasse gestellt werden muss.

Frage des Monats September 2020

Was ist eine Auffanggesellschaft?

Die Antwort der Merki-Experten

Eine Auffanggesellschaft ist eine neu gegründete Gesellschaft, die von einem sanierungsbedürftigen Unternehmen Betriebsteile oder den ganzen Betrieb und teilweise auch einzelne Schulden übernimmt. Sie dient in der Regel der Rettung des Geschäftsbetriebs eines vor dem Konkurs stehenden Unternehmens. Die Auffanggesellschaft führt den Geschäftsbetrieb unbelastet von den bestehenden Verbindlichkeiten fort.

In der Praxis ist der Begriff der Auffanggesellschaft negativ besetzt. Gläubiger können den Einsatz einer solchen Gesellschaft als „Schulden abschütteln“ empfinden. Die Übertragung von Aktiven ist eine Gratwanderung, denn sie birgt in verschiedener Hinsicht die Gefahr der Schädigung der Interessen von Gläubigern und Aktionären. Deshalb muss genau beurteilt werden, zu welchen Bedingungen und Werten die Aktiven überführt werden.

Dem Verwaltungsrat können Verantwortlichkeitsklagen wegen Verletzungen der Sorgfaltspflicht oder gar strafrechtliche Konsequenzen (vgl. Art. 163 und 164 StGB) drohen. Ansprüche aus Verantwortlichkeitsklagen verringern zwar nicht die Substanz, schaden aber unter Umständen dem Ansehen und der Glaubwürdigkeit. Weiter können Gläubiger bei nicht verhältnismässiger Gegenleistung mit sogenannten paulianischen Anfechtungsklagen (vgl. Art. 285 ff SchKG) gegen die neue Gesellschaft vorgehen. Solche Klagen können der neuen Gesellschaft ausgesprochen gefährlich werden, da – wenn der Kläger Recht bekommt – der Auffanggesellschaft Teile der eingebrachten Substanz wiederum entzogen werden.

Zudem muss unbedingt beachtet werden, dass die Gründung einer Auffanggesellschaft eine kostspielige und aufwändige Massnahme ist.

Für eine Auffanggesellschaft sprechen die Erhaltung der Arbeitsplätze, die Verhinderung der Vermögenszerschlagung und meistens eine Besserstellung aller Beteiligten im Vergleich zur Liquidation im Konkursverfahren.

Frage des Monats August 2020

Ich arbeite seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie im Homeoffice. Muss mir mein Arbeitgeber eine Entschädigung für die Nutzung meiner privaten Infrastruktur bezahlen?

Die Antwort der Merki-Experten

Nach dem jetzigen Stand der Rechtsprechung ist die zentrale Frage, ob dem Arbeitnehmenden in den Büroräumlichkeiten des Arbeitgebers ein Arbeitsplatz zur Verfügung steht. Falls nicht, so liegt die Nutzung der privaten Infrastruktur im Interesse des Arbeitgebers und er muss sich an den Kosten beteiligen.

Seit dem Ausbruch der Corona-Pandemie arbeiten viele Arbeitnehmende im Homeoffice, obwohl ihnen ein Arbeitsplatz beim Arbeitgeber zur Verfügung steht. Die Weisung im Homeoffice zu arbeiten, beruhte auf einer Empfehlung des Bundesrates. Es empfiehlt sich dennoch, das Arbeiten im Homeoffice detailliert zu regeln und Entschädigungen für die Benutzung des privaten Zimmers als Büro für die Arbeitstätigkeit oder z. B. für die Kosten von Papier, Telefonaten, Druckerpatronen etc. zu regeln.

Frage des Monats Juli 2020

Die Änderungen im Gleichstellungsrecht sind per 1. Juli 2020 in Kraft getreten. Was bedeutet dies für mein Unternehmen?

Die Antwort der Merki-Experten

Unternehmen mit 100 oder mehr Vollzeitstellen (ohne Lernende) sind zur Durchführung einer Lohngleichheitsanalyse verpflichtet. Die erste betriebsinterne Analyse muss nach einer wissenschaftlichen und rechtskonformen Methode und bis spätestens Ende Juni 2021 durchgeführt werden. Der Bund stellt allen Arbeitgebenden ein kostenloses Standard-Analyse-Tool (Logib) zur Verfügung. Wird die Lohngleichheitsanalyse mit einem anderen Tool als Logib durchgeführt, müssen die Unternehmen einen Nachweis über die Wissenschaftlichkeit und Rechtskonformität der verwendeten Analysemethode beilegen.

Die Lohngleichheitsanalyse ist von einer unabhängigen Stelle überprüfen zu lassen. Die Überprüfung darf u.a. von Prüfungsgesellschaften mit einer Zulassung nach dem Revisionsaufsichtsgesetz vorgenommen werden. Auch die im Handelsregister eingetragene Revisionsstelle darf diese Prüfung durchführen. Diese erfolgt jedoch als separater Auftrag ausserhalb des Revisionsstellenmandats.

Die Arbeitnehmenden sowie bei börsenkotierten Unternehmen die Aktionärinnen und Aktionäre müssen über das Ergebnis der Analyse informiert werden. Öffentlich-rechtliche Arbeitgebende sind zusätzlich verpflichtet, die Ergebnisse der Lohngleichheitsanalyse und der Überprüfung zu veröffentlichen.