Frage der Woche 39/2019

Wie lange dauert es bis die Aktiengesellschaft in Liquidation gelöscht werden kann?

Die Antwort der Merki-Experten

Nach Beendigung aller Liquidationshandlungen ist die Löschung der Gesellschaft beim Handelsregisteramt anzumelden. Dies ist allerdings frühestens ein Jahr nach der Veröffentlichung des dritten Schuldenrufs im SHAB möglich. Dieses Sperrjahr dient dem Gläubigerschutz. Es gibt die Möglichkeit die Löschung bereits nach Ablauf von drei Monaten zu beantragen, wenn ein zugelassener Revisionsexperte bestätigt, dass die Schulden getilgt sind und nach den Umständen angenommen werden kann, dass keine Interessen Dritter gefährdet werden.

Das Handelsregisteramt macht den Steuerbehörden des Bundes und des Kantons Mitteilung. Die Löschung wird erst vorgenommen, wenn diese Behörden zugestimmt haben. Die Löschungsbewilligung der Eidg. und Kant. Steuerverwaltung erfolgt allerdings erst nach Begleichung aller Steuern.

Frage der Woche 38/2019

Was sind die Aufgaben der Liquidatoren einer AG?

Die Antwort der Merki-Experten

  • Erstellen einer Liquidationsbilanz per Stichtag der Auflösung, damit das Gesellschaftsvermögen zum Zeitpunkt der Auflösung festgestellt werden kann. Bei einer länger dauernden Liquidation sind jährlich Liquidations-Zwischenbilanzen zu erstellen.
  • Schuldenruf: Bevor eine Verteilung der Mittel der Gesellschaft an die Aktionäre erfolgen kann, müssen die Gläubiger der Gesellschaft festgestellt und befriedigt werden. Zu diesem Zweck hat der Liquidator den bekannten Gläubigern Mitteilung zu machen. Für unbekannte Gläubiger und solche mit unbekanntem Wohnort ist ein dreimaliger öffentlicher Schuldenruf im Schweizerischen Handelsamtsblatt durchzuführen. Falls die Statuten eine weitere Form der Bekanntmachung vorsehen, ist diese ebenfalls durchzuführen.
  • Abklärung der Überschuldung: Nach Ablauf der Anmeldefrist (Frist, welche in der SHAB-Publikation gesetzt wurde, z.B. 30 Tage) überprüfen die Liquidatoren den finanziellen Zustand der Gesellschaft. Sobald eine Überschuldung festgestellt wird, müssen die Liquidatoren den Richter benachrichtigen. Dieser spricht dann den Konkurs aus.
  • Durchführung der Liquidation: Die Liquidatoren haben die pendenten Geschäfte der Gesellschaft unter Einhaltung der vertraglichen Verpflichtungen zu beenden, die Vermögenswerte zu verwerten und die Gesellschaftsschulden zu tilgen, sofern die Gesellschaft nicht überschuldet ist .
  • Vertretung der Gesellschaft in den zur Liquidation gehörenden Rechtsgeschäften
  • Verteilung des Erlöses der Liquidation

Frage der Woche 37/2019

Wer kann als Liquidator eingesetzt werden?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Liquidation wird durch den Verwaltungsrat besorgt, sofern sie nicht in den Statuten oder durch einen Beschluss der Generalversammlung einer anderen Person übertragen wird . Zu beachten ist, dass mindestens einer der Liquidatoren in der Schweiz Wohnsitz haben und zur Vertretung berechtigt sein muss. Die Liquidatoren sind in das Handelsregister einzutragen, auch wenn es sich dabei um bestehende Verwaltungsratsmitglieder der AG handelt. Der Liquidator kann – mit Ausnahmen des richterlich eingesetzten – von der Generalversammlung jederzeit wieder abberufen werden.

Frage der Woche 36/2019

Die Generalversammlung hat die Liquidation beschlossen und im Handelsregister angemeldet. Geht damit die Aktiengesellschaft als juristische Person unter?

Die Antwort der Merki-Experten

Nein. Die Aktiengesellschaft tritt in das Liquidationsstadium und führt den entsprechenden Hinweis in ihrer Firma (z.B. xy AG in Liquidation). Die AG bleibt im Liquidationsstadium uneingeschränkt rechts- und handlungsfähig.  Die Befugnisse der Organe der Gesellschaft werden aber insoweit eingeschränkt, als der Zweck nun einzig die Liquidation ist. Es dürfen also nur noch Handlungen vorgenommen werden, die für die Durchführung der Liquidation erforderlich sind.

Frage der Woche 35/2019

Ich möchte meine AG liquidieren. Was sind die ersten Schritte, damit ich die Gesellschaft in Liquidation setzen kann?

Die Antwort der Merki-Experten

Die ordentliche Liquidation einer AG muss von der Generalversammlung mit qualifiziertem Mehr beschlossen (Art. 704 Abs. 1 Ziff. 8 OR) und ein Liquidator muss gewählt werden (Art. 740 OR). Es ist zu beachten, dass der Beschluss der Generalversammlung öffentlich zu beurkunden ist (Art. 736 Ziff. 2 OR).

Die Auflösung einer AG und die Bestellung der Liquidatoren sind ins Handelsregister einzutragen. Ab diesem Zeitpunkt führt die AG den entsprechenden Hinweis in ihrem Namen (z. B. xy AG in Liquidation).

Frage der Woche 34/2019

Muss man die Bezugssteuer in jedem Fall deklarieren und versteuern?

Die Antwort der Merki-Experten

Ist der Leistungsempfänger als steuerpflichtige Person registriert, muss man Bezüge, die der Bezugssteuer unterliegen, deklarieren und versteuern.

Leistungsempfänger, die nicht als steuerpflichtige Personen registriert sind, werden bezugssteuerpflichtig, wenn sie innerhalb eines Kalenderjahrs für insgesamt mehr als CHF 10‘000 solche Leistungen beziehen und im Falle von Lieferungen im Inland durch die zuständige Behörde schriftliche über die Bezugssteuer informiert worden sind.

Frage der Woche 33/2019

Wieso gibt es überhaupt die Bezugssteuer?

Die Antwort der Merki-Experten

Dienstleistungsexporte aus dem Ausland sind von der MWST befreit. Wenn man eine ausländische Dienstleistung kauft, zahlt man in der Schweiz die ausländische MWST nicht. Würde die Bezugssteuer nicht erhoben, hätten ausländische Anbieter einen Wettbewerbsvorteil, weil sie ihre Dienstleistungen MWST-frei anbieten könnten und so 7.7% günstiger wären als ihre Schweizer Konkurrenten.

Frage der Woche 32/2019

Was ist die Bezugssteuer?

Die Antwort der Merki-Experten

Die Bezugssteuer wird im Mehrwertsteuergesetz geregelt. Ihr unterliegen

  • Dienstleistungen, welche von ausländischen Unternehmen ohne schweizerische MWST-Nummer erbracht werden
  • Die Einfuhr von Datenträgern
  • Lieferungen von Ausländern, welche nicht der Einfuhrsteuer unterliegen.

    Im Zeitalter des Internets nehmen die Dienstleistungen, die der Bezugsteuer unterliegen, stark zu. Darunter fallen z. B. Web-Applikationen, Werbung (z. B. Facebook-Werbung), Domain-Namen oder Hosting-Services eines ausländischen Anbieters. Auch sonstige Dienstleistungen aus dem Ausland wie Beratungen von Anwälten, Management-Dienstleistungen oder Personalverleih unterliegen der Bezugssteuer.

Keine Bezugssteuer ist geschuldet, wenn die Dienstleistungen von der Steuer ausgenommen oder befreit sind.

Frage der Woche 31/2019

Warum wird in der Praxis einem interessierten Käufer in aller Regel von einem Mantelhandel abgeraten?

Die Antwort der Merki-Experten

Kauft jemand die Mehrheit der Aktien eines Aktienmantels (also mehr als 50%), wird dies im Steuerrecht als Mantelhandel qualifiziert und so behandelt, als ob der neue Aktionär eine neue Aktiengesellschaft gegründet hätte. Das Aktienkapital der Gesellschaft unterliegt somit der Emissionsabgabe.

Verlustvorträge, die vor dem Aktienverkauf (Mantelhandel) entstanden sind, können steuerlich nicht mehr mit neuen Gewinnen verrechnet werden.

Weist die Mantelgesellschaft einen Bilanzverlust auf (die Aktiven decken also nicht das ganze Aktienkapital) wird dies steuerrechtlich so interpretiert, als ob der neue Aktionär das Aktienkapital noch nicht vollständig einbezahlt hätte. Wird der Bilanzverlust später mit laufenden Gewinnen verrechnet, so gilt dies als geldwerte Leistung an den Aktionär (Gratisliberierung).

Auf dem Betrag, mit dem der Bilanzverlust getilgt wird, muss die Gesellschaft 35% Verrechnungssteuer abrechnen und auf den Aktionär überwälzen. Der neue Aktionär muss diese Verrechnungssteuer bezahlen. Er erhält die Verrechnungssteuer nur zurück, wenn er die geldwerte Leistung in seiner Steuererklärung ordentlich deklariert.

Neben diesen steuerlichen Problemen ist der Kauf einer Mantelgesellschaft auch aus Risikoüberlegungen und zivilrechtlichen Gründen nur in Ausnahmefällen von Vorteil.

Frage der Woche 30/2019

Warum wird in der Praxis einem Aktionär in aller Regel vom Verkauf seines Aktienmantels abgeraten?

Die Antwort der Merki-Experten

Verkauft der bisherige Aktionär die Mehrheit der Aktien eines Aktienmantels (also mehr als 50%), wird dies im Steuerrecht als Mantelhandel qualifiziert. Dies wird dann so behandelt, als ob der bisherige Aktionär die Gesellschaft liquidiert. Erfolgt der Verkauf zu einem Preis über dem Aktienkapital (inkl. allfälliger Kapitaleinlagereserven), erzielt er keinen steuerfreien Kapitalgewinn, sondern muss den das Aktienkapital übersteigenden Betrag als Liquidationsdividende versteuern.